Irgendwann steht die Frage im Raum: Wer macht weiter?
Viele Unternehmen in Brandenburg gibt es seit Jahrzehnten. Sie haben Krisen erlebt, neue Mitarbeitende eingestellt, Kunden gewonnen und sich immer wieder verändert. Doch auch ein gut laufender Betrieb kann irgendwann vor einem Problem stehen, das mit Auftragslage oder Umsatz wenig zu tun hat: Die Inhaberin oder der Inhaber möchte aufhören – und es ist noch nicht klar, wer danach übernimmt.
Früher lag die Antwort darauf häufig in der eigenen Familie. Heute ist das längst nicht mehr selbstverständlich. Kinder haben andere berufliche Pläne, Mitarbeitende wollen die Verantwortung vielleicht nicht übernehmen oder es gibt schlicht niemanden im direkten Umfeld, der infrage kommt. Dann muss außerhalb des Unternehmens gesucht werden.
Auf der anderen Seite stehen Menschen, die sich selbstständig machen möchten. Für sie muss der Weg nicht zwangsläufig bei einer Neugründung beginnen. Sie können auch ein bestehendes Unternehmen übernehmen – mit Kunden, Mitarbeitenden und einer Geschichte, die schon lange vor ihrem Einstieg begonnen hat.
Beide Seiten zusammenzubringen, ist eine der Aufgaben der Nachfolgezentrale Brandenburg.
Nachfolge braucht Zeit – und einen Plan
Die Suche nach einer passenden Person ist nur ein Teil einer Unternehmensnachfolge. Bevor sie überhaupt beginnt, sollten sich Unternehmer Gedanken darüber machen, wie sie sich die Übergabe vorstellen. Wann möchte ich aufhören? Soll der Betrieb verkauft werden? Möchte ich nach der Übergabe noch eine Zeit lang mitarbeiten? Und was muss bis dahin geregelt sein?
Wer diese Fragen erst wenige Monate vor dem geplanten Ausstieg stellt, setzt sich schnell selbst unter Druck. Schließlich muss auch der Betrieb auf eine Übergabe vorbereitet werden. Unterlagen müssen aktuell sein, der Wert des Unternehmens spielt eine Rolle und irgendwann geht es um Finanzierung, Verträge und Steuern.
Ein anderer Punkt lässt sich schwerer in Aktenordner packen: das Wissen der bisherigen Inhaberin oder des bisherigen Inhabers. Welche Kunden brauchen besondere Aufmerksamkeit? Welche Abläufe haben sich bewährt? Wer ist seit Jahren ein verlässlicher Geschäftspartner? Vieles davon steht nirgendwo geschrieben. Trotzdem kann genau dieses Wissen für die Person, die später übernimmt, entscheidend sein.
Und wer kommt überhaupt infrage? Das kann ein Familienmitglied sein, genauso gut aber eine Mitarbeiterin, ein Mitarbeiter oder eine Führungskraft aus dem Unternehmen. Findet sich dort niemand, bleibt die externe Suche. Gleichzeitig gibt es Menschen, die unternehmerische Verantwortung übernehmen möchten, ohne bei null anzufangen. Für sie kann ein bestehender Betrieb eine interessante Alternative zur klassischen Gründung sein.
Wo die Nachfolgezentrale Brandenburg ansetzt
Genau an dieser Stelle kommt die Nachfolgezentrale Brandenburg ins Spiel. Sie richtet sich sowohl an Unternehmerinnen und Unternehmer, die eine Nachfolge suchen, als auch an Menschen, die sich vorstellen können, einen bestehenden Betrieb zu übernehmen.
Ein wichtiger Bestandteil ist das geschützte Nachfolgeportal. Dort registrieren sich beide Seiten kostenfrei und hinterlegen Angaben zu ihrer Person, zum Unternehmen beziehungsweise zu ihren Vorstellungen für eine Übernahme. Mit der Registrierung wird ein Dienstleistungsvertrag mit Vermittlungsgesuch abgeschlossen.
Danach schauen sich Mitarbeiterinnen der Nachfolgezentrale die Angaben an und prüfen sie. Ein Algorithmus gleicht die Profile anhand verschiedener Parameter miteinander ab. Gibt es eine passende Übereinstimmung, erfahren die Beteiligten trotzdem nicht sofort, wer sich auf der anderen Seite verbirgt. Zunächst erhalten beide ein anonymisiertes Profil.
So können sie in Ruhe prüfen, ob der mögliche Kontakt grundsätzlich interessant ist. Erst wenn beide Seiten Interesse signalisieren, folgt der nächste Schritt: Sie schließen eine Vertraulichkeitsvereinbarung ab. Danach werden die Daten des jeweiligen Gegenübers zugänglich gemacht und der persönliche Austausch kann beginnen.
Ein Match ist damit noch lange keine abgeschlossene Nachfolge. Es bedeutet zunächst nur: Hier könnten zwei Seiten zueinander passen. Ob daraus tatsächlich eine Übergabe wird, zeigt sich erst in den weiteren Gesprächen.
Wenn aus einem Kontakt eine konkrete Nachfolge wird
Spätestens jetzt werden die Fragen konkreter. Welchen Wert hat das Unternehmen? Wie lässt sich der Kauf finanzieren? Welche Verträge müssen geprüft werden? Wie geht es mit den Beschäftigten weiter? Auch steuerliche und rechtliche Fragen müssen geklärt werden.
Die Nachfolgezentrale übernimmt diese Fachberatung nicht selbst. Dafür gibt es Stellen, die sich auf die jeweiligen Themen spezialisiert haben. Die NFZ arbeitet deshalb mit den Industrie- und Handelskammern, den Handwerkskammern, der Bürgschaftsbank Brandenburg und weiteren Partnern zusammen. Wenn im Verlauf einer Nachfolge Unterstützung benötigt wird, können die Beteiligten an die passenden Ansprechpartner vermittelt werden.
Neben Zahlen und Verträgen gibt es noch eine andere Seite. Wer seinen Betrieb nach vielen Jahren abgibt, gibt häufig einen wichtigen Teil des eigenen Lebens aus der Hand. Gleichzeitig übernimmt jemand anderes Verantwortung für Mitarbeitende, Kunden und für das, was die bisherige Inhaberin oder der bisherige Inhaber aufgebaut hat. Dass dabei unterschiedliche Vorstellungen aufeinandertreffen, gehört dazu. Auch deshalb ist es wichtig, sich kennenzulernen und offen darüber zu sprechen, wie es mit dem Unternehmen weitergehen soll.
Es geht nicht nur um den einzelnen Betrieb
Eine ungeklärte Nachfolge bleibt selten ohne Folgen. Besonders in kleineren Städten und Gemeinden sind Unternehmen oft seit vielen Jahren Teil der örtlichen Wirtschaft. Sie bilden aus, beschäftigen Menschen aus der Region, vergeben Aufträge an andere Betriebe und haben feste Kundenbeziehungen aufgebaut.
Findet sich niemand, der einen wirtschaftlich funktionierenden Betrieb weiterführt, kann all das verloren gehen. Umgekehrt bedeutet eine Übernahme nicht, dass alles bleiben muss, wie es war. Eine neue Inhaberin oder ein neuer Inhaber bringt eigene Erfahrungen mit, verändert vielleicht Abläufe, entwickelt neue Angebote oder setzt andere Schwerpunkte.
Unternehmensnachfolge verbindet deshalb zwei Dinge, die auf den ersten Blick gegensätzlich wirken: erhalten und verändern.
Genau da liegt auch der Gedanke hinter der Nachfolgezentrale Brandenburg. Sie entscheidet nicht, wer zu wem passen muss, und aus einem Treffer entsteht nicht automatisch eine Übergabe. Sie schafft aber einen geschützten Rahmen, in dem sich Menschen finden können, die vor zwei Seiten derselben Frage stehen: Wer gibt ein Unternehmen weiter – und wer möchte es weiterführen?